prägende katastrophen bilder
eines vorweg: auch den pussyimploder lässt nicht kalt was den menschen in japan derzeit zustößt. dennoch bin ich davon überzeugt, dass das denken und reflektieren nach wie vor legitim ist und glaube daran über die fähigkeit des denkens und fühlens auch zur gleichen zeit zur verfügen. aus diesem grunde nun ein paar gedanken die über die aktuellen geschehnisse hinaus greifen, ohne dabei zu vegessen, dass viele immer noch unter diesen leiden.
wie der werte kollege bersarin in seinem post treffend anmerkte, stellt sich mit blick auf die apokalyptischen zustände auf der japanischen insel natürlich auch hier, im club der optimisten und weltfreunde, die frage wie theorie und praxis überhaupt noch sinnvoll betrieben werden können.
auch, weil hier wieder einmal die verrücktesten katastrophenfantasien in geradezu unfassbarer weise von der wirklichkeit übetroffen werden, so dass selbst hollywod mit dem verweis auf realitätsferne bei einem solchen plott abwinken würde.
doch der pussyimploder wäre nicht der pussyimploder würde uns an dieser stelle nicht auch das bild der katastrophe, vor allem aber eine mögliche deutung interessieren.
und natürlich sind es nicht die bilder des tsunamis und die damit verbundene urgewalt die wir als prägend erachten. hier geht es um das bild aus fukushima, denn dieses kommt als ikone und symbol für eine wieder ins bewusstsein rückende gefahr in frage, welche über das potential verfügt mit all ihren implikationen die kommende dekade zu prägen: wie werden wir die atomgefahr los und von wem geht diese eigentlich aus?
technobilder der katastrophen
stand das erste jahrzehnt des 21. jahrhunderts in extremer weise unter dem einfluss der ereignissen und auch der bilder des 11. septembers, ist mit der atomkatastrophe von fukushima einen neues bild hinzu gekommen.
und auch wenn sich die ereignisse in vielem unterscheiden, rütteln sie doch an grundfesten und verweisen in eigentümlicher weise auf eine tiefere ebene.
während im jahr 2001 ein als unverwundbar geltendes imperium angegriffen wurde, ist mit den ereignissen der letzten tage japan, die hightech-nation dieser erde und deren bevölkerung ins mark getroffen worden. technologie und damit kapitalismus spielt in beiden katastrophen eine wichtige rolle, darüber hinaus die frage der verwundbarkeit und auch die hybris. aber es geht auch – und das erscheint entscheidend – um die frage der feindbilder.
doch wer taugt als blitzableiter?
hatte sich nach 9/11 schnell eine feindbild, mit all seinen dramatischen folgen entwickelt um die angst, frustration und furcht vor der bedrohung abzuleiten, wird das in diesem fall komplexere antworten verlangen.
denn das feindbild des durchgeknallten, moslem-extremisten war ohne all zu große probleme systemimmanent zu bedienen. die atomkatastrophe in fukushima steht aber nun für eine neue, diffuse bedrohung, die leider auch von den bestehenden gesellschaftlichen verhältnissen ausgeht.
die deutsche bundeskanzlerin – physikerin der macht, welche sich in besonders ausgeprägter weise mit dem atom verbündet hat – und ihre partei scheint dieses problem durchaus erkannt zu haben, so radikal wie man dort gerade den kurs zu ändern versucht.
war es nach 9/11 möglich ein gemeinsames, äußeres feindbild zu konstruieren, stehen wir aktuell vor einem ganz anderen problemen. wir, unsere kultur, die vermeintlichen ökonomischen zwänge und die damit verbundene haltung zu technologie sind es, die unsere vernichtung voran treiben. die politik der globalisierten und extremst kapitalistisch programmierten technomaschinerie ist ausdruck dieser kultur und ein ereignis wie das in fukushima wird unweigerlich zum symbol für diese politik.
aber wie gehen wir um, mit einer politik die aufgrund der bestehenden verpflichtungen und verflechtungen nicht in der lage ist, uns in absehbarer zeit von einer verstöhrenden bedrohungen für leib und leben zu befreien?
wie verhält sich eine gesellschaft in der aus dem abstrakten gefühl ‘die da oben stopfen sich mit hilfe des staates die taschen voll‘ das konkretere gefühl ‘die da oben stopfen sich mit hilfe des staates die taschen voll und riskieren gleichzeitig damit tausendfach unser leben‘ wird?
viel gravierender aber die frage, wie gehen wir mit einem staat um, der sich in der letzten dekade maßgeblich über das versprechen und die garantie von sicherheit legitimiert hat und nun selber teil einer massiven bedrohung ist und damit zur angst beiträgt?


March 21st, 2011 at 10:50 am
[...] zu werden. +++ angst sorgt für energie und fordert aktion: flucht oder kampf. +++ stop +++ doch gegen wenn sollte man in diesem fall kämpfen ums einen instinkten nach geben zu können? wer w… großes ungehagen macht sich breit. +++ stop [...]